Das Schnittmuster für den Godetrock von Zwischenmass war im Ausverkauf, gerade als ich mit der näherfahrenen Mutter nach einem geeigneten ersten Nähprojekt für mich suchte. Ganz hervorragend.
Es handelt sich hierbei um einen 6-Bahnenrock mit verstärktem Bund und nahtverdecktem Reissverschluss. Was mir besonders gefällt: die Godets ergeben sich aus den Schnitteilen und werden nicht extra eingesetzt.
Auch ganz ohne Schnittmuster- und Maßtabellenerfahrung überzeugte mich das Zwischenmass-Konzept sofort:
Bei Zwischenmass werden Schnittmuster angeboten, deren Größe nach Körperhöhe, sowie Brust- und Hüftumfang ausgewählt werden. So kann man seine Person 3 verschiedenen Körperhöhen (160, 168 und 176cm) zuordnen, sowie seine Umfangmaße in die Kategorien K (klein), M (mittel) und G (gross) einordnen. In Summe ergibt das laut Zwischenmass 36 Grössen - und wer dann immer noch aus der Norm fällt, kann sich bei Zwischenmass sogar einen Maßschnitt erstellen lassen.
Auf mich wirkte das Konzept bereits beim Ersten lesen überzeugend. Einziges Manko - besagter Schnitt war nicht mehr in meiner „Zwischenmass“-Größe vorhanden. Was nun?
„Macht nix“, sagte die näherfahrene Mutter, „den vergrösserst du dir einfach selber.“ (für diesen Hang zur Überschätzung leistbarer Fähigkeiten haben wir offensichtlich ein extra Gen in der Familie)
Ich beschloss fürs erste, den Rock zu nähen wie er ist, um meine Erfahrungen zu machen mit dem Nähen an sich, den Nähanleitungen, dem Schnittmuster und den Größenverhältnissen insbesondere. Dafür wählte ich einen Stoff, den ich frisch gekauft und sogleich frisch geschrottet hatte. Zwar brachte ich mit äußerster Anstrengung die Geduld auf den Stoff vorzuwaschen, missachtete dabei aber die Pflegesymbole. Darauf zu achten war ich nämlich nicht gewohnt. Dementsprechend zahlte ich mein Lehrgeld und bekam den Stoff mit Used-Look Optik von der Waschmaschine zurück. Das war nicht schön, aber zu verschmerzen, denn ich hatte mir wohlweislich eine Meterpreisgrenze von 5€ gesetzt, damit ich solche Fehler machen kann.
Also begann ich zu nähen. Ich war die Sorgfalt in Person. Ich übertrug das Schnittmuster auf eine Rolle Papiertischdecke indem ich es durchrädelte, nachzeichnete, es ausschnitt um es auf den Stoff zu übertragen, diesen zuschnitt, heftete und nähte.
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| Godetrock von Zwischenmass: Links Voderansicht - Mitte Seitenansicht - Rechts Hinteransicht |
Zwar war ich noch in diesem Alles Ist Neu- Modus, aber die grösste Herausforderung war für mich, den nahtverdeckten Reissverschluss einzusetzen und das Futter einzunähen - aber beides klappte gut.
Als die näherfahrene Mutter die zugehörige Beschreibung für das Einsetzen des Reissverschlusses in die Finger bekam ertönte ein verzückter Aufschrei: „ Das ist ja eine raffinierte Vorgehensweise. So habe ich das noch nie gesehen.“
Wie zu erwarten passte mir der Rock dann aber nicht, was der Mann mit ungläubigem Kopfschütteln quittierte weil er gar nicht fassen konnte, dass ich all die Zeit investierte ohne ein mir passendes Kleidungsstück herauszubringen. Ich säumte den Rock noch brav von Hand, sparte mir dann aber wenigstens Knopf und Knopfloch. In Summe war ich ganz schön stolz auf mein erstes Nähprojekt (auch wenn es mir nicht passt).
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| Godetrock von Zwischenmass: Detailansichten Futter, Reissverschluss und ein gespartes Knopfloch |
Aber ich wollte lernen und ich habe gelernt:
- Stoffe vorwaschen ist wichtig - (vor allem auch die Pflegesymbole beachten)
- bügeln vor dem Zuschnitt
- Schnittmusteranleitungen interpretieren (inzwischen weiss ich, dass Zwischenmass es einem vergleichsweise einfach macht)
- Laaaaangsam nähen!! (wenigstens solange wie man den nächsten Schritt nicht auswendig weiss, denn es verschafft einem wertvolle Reaktionszeit)
- Zuallererst alles versäubern! (was ich nicht tat und dann war ich nicht mehr motiviert und jetzt ist es so)
- 2,5 cm Nahtzugabe ist irgendwie übertrieben
- Einlage ganz genau zuschneiden, weil die die Form gibt (jaja…)
- Keine Lüge: „gut gebügelt ist die halbe Miete“ (seufz, ich hatte ehrlich gehofft, das wäre nur eine Pingelei der näherfahrenen Mutter…)
…die Wahrheit ist, ich habe alles vorher gesagt bekommen. Aber ich bin nunmal so. Ich lerne dadurch, dass ich alle Fehler selbermache. Und es war mir ein Vergnügen. Allerdings war ich echt erstaunt wie wenig Zeit man tatsächlich am Nähen ist. Aber dieses geschäftige rumwurschteln hat seinen eigenen Reiz!
VerywellThen, nun steht also noch das Vergrössern des Schnittes aus. Ich habe bereits angefangen und dann abgebrochen, weil ich gar nicht glauben konnte wieviel Weite ich in der Taille dazugeben müsste damit der Rock mir passt. Das zu lösende Problem: Ich habe keine Taille sondern Bauch. Wie Humpty-Dumpty. Rund um die Kiste ist das Maß dann wieder in Ordnung. Wer hierzu Rat weiss ist mir mehr als willkommen. Ansonsten habe ich, fürchte ich, mein allererstes UFO produziert, und zwar noch bevor ich es überhaupt begonnen habe…! :D
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Mein Anfängerfazit:
Mit Sorgfalt lässt sich der Schnitt auch ohne Erfahrung gut bewältigen. Ich habe bei grösstmöglicher Achtsamkeit (sprich Langsamkeit) zwei Wochenenden aufgebracht. Der Reissverschluss war eine Herausforderung (aber vor allem weil es mein erster war) und hat mit der gut erklärten Anleitung gut geklappt. Verbrauchter Stoff: 1,80m.
Wen interessiert, welche Schnitte die näherfahrene Mutter des weiteren als Einsteigertauglich befindet, findet hier eine Übersicht.



Oh, ich lese deinen Blog total gerne, gerade weil ich ja auch erst anfange. :) Der Rock sieht richtig gut aus!
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Yaaay, das freut mich aber doll! Ich poste auch bald die nächste Episode, es hängt grad leider an den Fotos. LG
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